Anselm Schenkluhn  
  Idyll  
     
     
 

Szenerie:
Eine nächtlich-verlassene Bushaltestelle auf dem Land. Eine Lampe leuchtet das romantisch/empfindsame Gedicht „Ein Gleiches“ von Johann Wolfgang von Goethe in die Nacht hinaus. Kein Geräusch ist zu hören. Nur das statisch, unaufgeregte Flackern der Haltestellenbeleuchtung.

Das Gedicht „Ein Gleiches“, ist wohl eines der „romantischsten“ deutschen Gedichte. Eine Art Idealbild der romantischen Lyrik. Von den meisten gekannt, ist es vielleicht doch nur ein Teil des schulischen Kanons. Die in das Gedicht projizierte Bedeutung, der romantischen Sehnsucht nach natürlicher, mysthischer Empfindsamkeit, scheint sich heute in vielerlei Hinsicht nur noch als Provinzialität zu entpuppen.

Über allen Gipfeln ist Ruh
in allen Wipfeln spürest du
kaum einen Hauch
die Vöglein schweigen im Walde
warte nur balde
ruhest du auch